Der Bereich der Wildgehölze im Kreislehrgarten widmet sich heimischen Sträuchern und kleineren Bäumen, die unsere Landschaft seit Jahrhunderten prägen. Ob an Feldrainen, Waldrändern, Böschungen oder als Hecken entlang von Wegen – Wildgehölze sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Kulturlandschaft. Sie strukturieren das Landschaftsbild, schützen vor Wind und Erosion und bilden wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tierarten. Im Kreislehrgarten wird ihre ökologische, kulturelle und landschaftliche Bedeutung anschaulich vermittelt.
Im Jahreslauf erfüllen Wildgehölze vielfältige Aufgaben. Bereits im zeitigen Frühjahr gehören sie zu den ersten blühenden Pflanzen. Arten wie Schlehe, Weißdorn oder Hasel bieten mit ihren Blüten und Kätzchen eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Wildbienen, Hummeln und andere bestäubende Insekten. Gerade in einer Zeit, in der das Nahrungsangebot noch knapp ist, sind diese frühen Blüten von unschätzbarem Wert. Das lebendige Summen und Brummen rund um die Sträucher macht im Frühling deutlich, wie eng Pflanzen- und Tierwelt miteinander verbunden sind.
Im Sommer entwickeln die dicht verzweigten, oftmals dornenreichen Gehölze eine besondere Funktion als Schutz- und Lebensraum. Viele Vogelarten nutzen sie als Nistplatz, da das dichte Geäst Schutz vor Fressfeinden und Witterung bietet. Hier werden Jungvögel aufgezogen, hier finden Insekten Unterschlupf, und auch Kleinsäuger profitieren von der Deckung. Für Besucherinnen und Besucher des Kreislehrgartens eröffnen sich dadurch spannende Beobachtungsmöglichkeiten – mit etwas Geduld lassen sich Vögel beim Füttern ihrer Jungen oder beim Ein- und Ausfliegen entdecken.
Im Herbst reifen Beeren, Hagebutten und Nüsse. Die Früchte von Wildrosen, Weißdorn oder Holunder stellen eine energiereiche Nahrungsquelle dar, die vielen Vögeln und Kleinsäugern hilft, sich Reserven für die kalte Jahreszeit anzulegen. Wildgehölze tragen damit wesentlich zum ökologischen Gleichgewicht bei. Ohne diese natürlichen Nahrungsangebote wären zahlreiche Tierarten in unserer Kulturlandschaft deutlich stärker gefährdet.
Auch im Winter behalten Wildgehölze ihre Bedeutung. Zwar haben sie ihr Laub verloren, doch ihr verzweigtes Geäst bietet weiterhin Schutzräume und Rückzugsorte. Gleichzeitig sorgen sie für Struktur und Gliederung im Garten und zeigen, dass Natur auch in der Ruhephase ihren eigenen Reiz besitzt.
Eine besondere Stellung nimmt der Schwarze Holunder ein, der als Landkreispflanze eine herausragende Rolle spielt. Der Holunder ist weit mehr als nur ein Strauch. Im Frühsommer trägt er große, cremeweiße Blütendolden, deren süßer Duft zahlreiche Insekten anzieht. Im Spätsommer und Herbst folgen tiefschwarze, glänzende Beeren, die von vielen Vogelarten geschätzt werden.
Darüber hinaus ist der Holunder seit Generationen fest in der regionalen Kultur verankert. Aus seinen Blüten und Beeren werden Sirup, Saft, Gelee oder Tee hergestellt. In früheren Zeiten galt er als „Apotheke des kleinen Mannes“ und fehlte in kaum einem Bauerngarten. Ihm wurden heilende und schützende Eigenschaften zugeschrieben, und vielerorts war er von Sagen und Bräuchen umgeben.
Diese besondere Bedeutung zeigt sich auch in der Tradition der Holunderkönigin. Sie repräsentiert die Landkreispflanze bei Veranstaltungen und Festen und steht symbolisch für Heimatverbundenheit, Naturbewusstsein und die Pflege regionaler Bräuche. So verbindet der Holunder auf einzigartige Weise Natur, Geschichte und Gemeinschaft.
Der Bereich der Wildgehölze im Kreislehrgarten macht deutlich, dass heimische Sträucher nicht nur dekorative Elemente sind, sondern einen unverzichtbaren Beitrag zur Biodiversität leisten. Sie schaffen Lebensräume, sichern Nahrungsquellen und bewahren zugleich ein Stück regionaler Identität.